Anleitung
Einen Buchclub gründen, der wirklich hält
Einen Buchclub zu gründen dauert einen Nachmittag. Ihn über das dritte Buch hinaus zu bringen ist die eigentliche Arbeit, und sie besteht fast nur aus Entscheidungen, die man einmal trifft und danach nie wieder.
Wir BuchverliebtenVeröffentlicht am
Ein Buchclub läuft, wenn vier Dinge geklärt sind: wie viele mitlesen, wie oft ihr euch trefft, wer das nächste Buch aussucht und was passiert, wenn jemand nicht fertig geworden ist. Wer diese vier am Anfang ausspricht, braucht später kaum Regeln. Wer sie offenlässt, verhandelt sie bei jedem Treffen neu, und genau daran gehen die meisten Buchclubs ein, nicht am Desinteresse.
Wie viele Menschen ein Buchclub verträgt
Die brauchbare Größe liegt zwischen vier und sechs Menschen. Das ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der Redezeit: an einem Abend von zwei Stunden bleibt bei sechs Personen jedem eine Viertelstunde, wenn alle gleich viel sagen. Bei zehn wird daraus eine Podiumsdiskussion mit Publikum.
Nach unten ist die Grenze härter, als die meisten erwarten. Zu dritt fällt der Buchclub aus, sobald einer absagt, denn zu zweit ist es kein Treffen mehr, sondern ein Kaffee. Wer zu viert anfängt, hat einen Ausfall eingebaut.
Der häufigste Fehler ist der freundliche: man lädt noch jemanden ein, weil es unhöflich wäre, es nicht zu tun. Zwei solche Einladungen später redet niemand mehr über das Buch, sondern über die Termine.
Ein Buchclub wächst nicht in seine Größe hinein, er wächst aus ihr heraus.
Wie oft, und warum monatlich fast immer die Antwort ist
Ein Monat ist lang genug für ein durchschnittliches Buch neben einem Vollzeitjob und kurz genug, dass man den Anfang noch weiss, wenn man am Ende ankommt. Alle zwei Wochen klingt ambitioniert und ist der zuverlässigste Weg, einen Buchclub innerhalb eines halben Jahres zu beenden.
Drei Dinge sind am Rhythmus wichtiger als seine Länge:
- Der Termin steht fest, bevor das Buch feststeht. Ein Buchclub, der nach jedem Treffen den nächsten Termin sucht, sucht ihn irgendwann nicht mehr.
- Immer derselbe Wochentag. Der zweite Dienstag im Monat merkt sich von allein, ein wechselnder Termin braucht eine Erinnerung.
- Ein Buch, das offensichtlich zu lang ist, bekommt zwei Termine statt eines gehetzten. Das ist ehrlicher, als die halbe Gruppe unfertig antreten zu lassen.
Der Termin ist dabei nicht der Zweck, sondern das Werkzeug. Er ist eine Frist, und die Frist ist der Grund, aus dem ein Buch in einem Buchclub tatsächlich zu Ende gelesen wird.
Wer das nächste Buch aussucht
Hier entscheidet sich, ob ein Buchclub der Buchclub einer Person ist oder der einer Gruppe. Es gibt drei übliche Wege, und sie unterscheiden sich weniger im Ergebnis als darin, wer sich ärgert.
Die drei Wege, mit ihrem jeweiligen Preis:
- Reihum. Jeder ist einmal dran und darf aussuchen, ohne sich zu rechtfertigen. Der Preis: irgendwann liest die Gruppe etwas, das nur einer wollte. Das ist der Sinn der Sache und kein Fehler.
- Abstimmung über eine kurze Auswahl. Führt zuverlässig zum Mittelmass, weil das Buch gewinnt, gegen das niemand etwas hat.
- Eine Person sucht dauerhaft aus. Funktioniert erstaunlich lange und endet damit, dass die anderen sich als Gäste fühlen.
Reihum ist der Weg, der am seltensten bereut wird. Wichtig ist dabei die unausgesprochene Hälfte: wer dran ist, sucht aus, und die anderen lesen es, ohne beim Treffen über die Wahl zu diskutieren. Ein Buchclub, der über die Buchwahl spricht, spricht nicht über das Buch.
Wer aussucht, muss sich nicht rechtfertigen. Das ist die ganze Abmachung.
Was ihr einmal verabredet und danach nie wieder
Die folgenden Punkte sehen kleinlich aus, solange sie geklärt sind. Ungeklärt sind sie die Gründe, aus denen Buchclubs sich auflösen, und zwar fast immer, ohne dass jemand ausspricht, worum es geht.
Vier Verabredungen reichen für die meisten Gruppen:
- Was gilt, wenn jemand nicht fertig ist. Die einzige Antwort, die trägt: er kommt trotzdem und sagt es am Anfang. Wer unfertig wegbleibt, bleibt beim nächsten Mal wieder weg.
- Ob über das Ende gesprochen wird. Bei einem Treffen nach dem Auslesen ist die Antwort ja, und dann muss sie vorher gesagt worden sein.
- Wer moderiert. Das ist keine Rolle mit Titel, sondern jemand, der die erste Frage stellt und nach einer Stunde einmal weiterschaltet.
- Ob unterwegs geschrieben wird. Eine Gruppe, die sich zwischen den Treffen austauscht, braucht eine Regel dafür, wie weit man dabei gehen darf.
Der letzte Punkt ist der einzige, der sich nicht durch gute Absichten lösen lässt. Wer beim Lesen etwas anmerken will, muss wissen, wo die anderen stehen, und niemand merkt sich das für fünf Personen gleichzeitig. Deshalb verstummen die meisten Gruppen zwischen den Treffen: nicht aus Desinteresse, sondern aus Vorsicht.
Bei Wir Buchverliebten übernimmt das die Leseposition. Jede Anmerkung hängt an dem Kapitel, an dem sie geschrieben wurde, und wird für die anderen erst sichtbar, wenn sie selbst dort angekommen sind. Damit darf jeder sofort schreiben, ohne nachzudenken, wer wie weit ist, und die Zeit zwischen zwei Treffen gehört wieder zum Buchclub statt in die Pause.
Woran Buchclubs eingehen
Fast keiner endet mit einer Entscheidung. Es gibt kein Treffen, bei dem beschlossen wird aufzuhören. Es gibt einen Termin, der verschoben wird, dann einen zweiten, und danach fragt niemand mehr nach.
Die drei häufigsten Verläufe sehen von innen harmlos aus:
- Das zu lange Buch. Die halbe Gruppe wird nicht fertig, das Treffen wird verschoben, und die Verschiebung ist das Ende.
- Die stille Mehrheit. Zwei reden, vier hören zu. Wer dreimal nichts gesagt hat, kommt beim vierten Mal nicht mehr.
- Der Terminverfall. Der Wochentag wechselt einmal aus gutem Grund und ist danach nie wieder derselbe.
Allen dreien ist gemeinsam, dass sie sich früh und billig beheben lassen: ein zweiter Termin für ein dickes Buch, eine Frage, die ausdrücklich an die Stillen geht, ein Wochentag, der auch dann gilt, wenn er einmal schlecht passt. Was sich nicht beheben lässt, ist der Zustand, in dem alle merken, dass es vorbei ist, und niemand es sagt.
Fragen, mit denen ein Gespräch über ein Buch in Gang kommt
Ein Buchclub stirbt nicht am Streit, sondern an der zweiten Verschiebung.
Checkliste vor dem ersten Treffen
Wer bis hierher gelesen hat, hat alle Entscheidungen beisammen. Diese Karte fasst sie zusammen, damit man sie einmal abhaken und danach vergessen kann. Sie ist zum Ausdrucken gedacht und darf geteilt werden.
Checkliste zum Ausdrucken
Vor dem ersten Treffen
- Zwei bis vier Personen gefragt, die wirklich Lust haben.
- Erstes Buch gewählt, in Taschenbuch und E-Book verfügbar.
- Geprüft, wer das Original und wer eine Übersetzung liest.
- Abschnitt für das erste Treffen festgelegt, nach Kapiteln.
- Café ausgesucht, ruhig genug und mit genug Sitzplätzen.
- Drei Sätze notiert, die für den Buchclub gelten sollen.
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