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Was ist ein Buchclub und wie läuft er ab
Die meisten Buchclubs scheitern nicht am Buch. Sie scheitern daran, dass niemand gesagt hat, wie weit bis wann gelesen wird. Was hier steht, ist das, was eine Gruppe vorher klären muss, damit sie den dritten Termin noch erlebt.
Wir BuchverliebtenVeröffentlicht am
Ein Buchclub ist eine kleine Gruppe, die dasselbe Buch liest und sich in verabredeten Abschnitten darüber austauscht. Vier Dinge legt jede Gruppe fest: welches Buch, wie weit bis wann, wie oft gesprochen wird und wo. Der Abschnitt wird nach Kapiteln verabredet und nie nach Seiten, weil Taschenbuch, gebundene Ausgabe, E-Book und Hörbuch dieselbe Geschichte unterschiedlich zählen.
Was ein Buchclub ist, und was er nicht ist
Ein Buchclub ist keine Leseliste, kein Kurs und kein Bewertungsportal. Er ist eine Verabredung darüber, wie schnell alle gemeinsam durch dasselbe Buch gehen. Manche nennen ihn Lesekreis, Lesezirkel, Literaturkreis oder Leserunde, gemeint ist dasselbe. Hier heisst er durchgehend Buchclub.
Drei Formen sind verbreitet, und sie unterscheiden sich im Takt:
- Der kleine Buchclub mit Treffen. Er liest auf ein Datum hin und spricht an einem Abend über den ganzen Abschnitt.
- Der grössere Buchclub, der nur schreibt. Er hat kein gemeinsames Ende und braucht deshalb eine ausdrückliche Verabredung.
- Der offene Buchclub, in dem eine Person das Tempo vorgibt und die anderen mitlesen, so weit sie kommen.
Wie ein Buchclub abläuft, Schritt für Schritt
Ein Buchclub läuft in fünf Schritten ab, und danach beginnt er von vorn:
- Ein Buch wählen, auf das sich alle einlassen wollen.
- Den ersten Abschnitt festlegen, nach Kapiteln und mit einem Datum.
- Lesen und dabei notieren, was man später sagen möchte.
- Über den Abschnitt sprechen, im Café oder schriftlich.
- Den nächsten Abschnitt festlegen, bevor die Gruppe auseinandergeht.
Der letzte Schritt ist der, der am häufigsten vergessen wird. Wer ohne nächsten Abschnitt auseinandergeht, verabredet ihn hinterher in einer Nachricht, die niemand beantwortet.
Wie viele Menschen ein Buchclub trägt
Statt einer Zahl hilft die Mechanik dahinter. Ein Buchclub muss zwei Dinge gleichzeitig können: er muss tragfähig bleiben, wenn jemand einmal aussetzt, und er muss klein genug bleiben, dass jede Person zu Wort kommt.
Die zweite Bedingung wird unterschätzt. Wer zweimal nichts gesagt hat, kommt beim dritten Mal nicht wieder, und zwar ohne es anzukündigen. Ein Buchclub, der so gross ist, dass Schweigen nicht auffällt, schrumpft von selbst.
Ein Buchclub ist so gross wie die Zahl der Menschen, die darin zu Wort kommen.
Wie oft und wie schnell ein Buchclub liest
Der Kalendermonat ist als Mass verbreitet und trotzdem schlecht. Er ignoriert die Länge des Buches und das Tempo der Gruppe gleichzeitig: ein schmaler Roman ist nach zwei Wochen erledigt, ein dicker nach einem Monat noch lange nicht.
Tragfähiger ist der Abschnitt als Einheit und das Datum als Nachrang. Die Gruppe verabredet, wie weit gelesen wird, und sucht danach den Termin, der dazu passt. Wer es andersherum macht, erst den Termin und dann so viel, wie hineinpasst, macht den Rückstand zur Regel statt zur Ausnahme.
Warum Buchclubs sich über Kapitel verabreden und nie über Seiten
Dieselbe Geschichte liegt gleichzeitig als Taschenbuch, als gebundene Ausgabe, als E-Book und als Hörbuch vor. Jede dieser Ausgaben zählt anders.
Bei zweien ist eine Seitenzahl überhaupt keine Angabe:
- Das E-Book hat keine feste Zählung, sie wandert mit der Schriftgrösse.
- Das Hörbuch hat überhaupt keine, dort gibt es nur Kapitel und Zeit.
Dazu kommt der Fall, der die Zählung ganz verschiebt: ein englischsprachiges Werk erscheint auf Deutsch oft in zwei Bänden, und dann beginnt die Zählung im zweiten wieder vorn.
Das Kapitel ist die einzige Einheit, die alle Ausgaben teilen. Es ist ausserdem die einzige, die eine Bedeutung hat: ein Kapitelende ist ein Einschnitt, den die schreibende Person gesetzt hat.
Wenn zwei Ausgaben die Kapitel unterschiedlich zählen
Auch Kapitel sind nicht immer deckungsgleich. Eine Übersetzung teilt gelegentlich ein langes Kapitel, oder eine Neuausgabe fasst zwei kurze zusammen. Ab dieser Stelle verschiebt sich jede weitere Nummer.
Der Ausweg ist einfach: die Gruppe verabredet sich über den Kapiteltitel statt über die Nummer, oder über ein Ereignis, das alle wiedererkennen. Wer sein Buch in einer anderen Ausgabe liest, sagt es am besten gleich zu Beginn.
Wie ein Buchclub Spoiler vermeidet
Drei Mittel sind gebräuchlich, und alle drei haben dieselbe Schwäche:
- Eine Lesefrist, vor der niemand etwas sagt.
- Getrennte Gesprächsfäden je Abschnitt.
- Verdeckter Text, den man antippen muss.
Die Schwäche ist überall dieselbe: sie verlagern die Last auf die lesende Person. Wer zurückliegt, muss selbst darauf achten, wo nicht mehr hinzuschauen ist, und ein einziger unbedachter Satz genügt.
Bei Wir Buchverliebten übernimmt das die Anwendung. Anmerkungen kommen bei dir an, wenn du selbst an derselben Stelle angekommen bist, und vorher nicht. Niemand muss aufpassen, und niemand muss warten, bis die langsamste Person fertig ist.
Was passiert, wenn jemand nicht fertig wird
Drei Wege stehen offen, und alle drei sind in Ordnung:
- Der Buchclub wartet und verschiebt das Gespräch.
- Der Buchclub spricht ohne die Person und fasst hinterher zusammen.
- Die Person liest verspätet mit und steigt beim nächsten Abschnitt wieder ein.
Der eigentliche Befund ist aber ein anderer. Buchclubs enden selten daran, dass jemand nicht fertig wird. Sie enden daran, dass niemand es sagt. Wer eine Woche schweigt, kommt nicht wieder, und die anderen warten auf jemanden, der längst nicht mehr vorhat zu kommen.
Buchclubs enden nicht am Rückstand, sondern am Schweigen darüber.
Buchclub mit Treffen oder reiner Online-Buchclub
Der Unterschied ist nicht der Ort, sondern der Takt. Ein Treffen erzwingt einen gemeinsamen Endpunkt: bis dahin ist der Abschnitt gelesen, sonst sitzt man da und kann nichts sagen. Diese Frist ist unbequem und hält den Buchclub zusammen.
Ein Online-Buchclub hat diesen Endpunkt nicht. Er braucht deshalb eine ausdrückliche Verabredung, und zwar eine, die jemand ausspricht. Ohne sie liest die Gruppe immer langsamer, bis niemand mehr weiss, wo alle stehen.
Die drei Sätze, auf die sich ein Buchclub am Anfang einigt
Gegen die verbreiteten Regellisten hilft eine Beschränkung: drei Sätze, denen alle beim Beitritt zustimmen. Drei Sätze kann man vorlesen. Eine Liste mit zehn Regeln liest niemand, und an die vierte hält sich ohnehin keiner.
Sie klingen banal und sind es nicht, weil sie den Streitfall vorweg entscheiden. Ein Beispiel: "Wir lesen langsam, wir reden ehrlich, wir verraten nichts."
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